Anmerkung:

Dem aufmerksamen Leser dieser atemberaubenden Geschichte ist sicher nicht entgangen, dass es sich hier offensichtlich um einen VORDRUCK der AGG handelt, bei dem nur mehr die Parzellennummer eingetragen werden muss. Anscheinend werden in dieser Gegend so viele Baumhäuser widerrechtlich errichtet, dass es dafür bereits ein eigenes Formular gibt.

KalaHari
 
Das Schicksal der wieden Hund und die abenteuerliche Geschichte rund um das Traumhaus veranlasste einen gleichermaßen unbekannten wie unbedeutenden Musiker, einen KalaHari-Song zu komponieren - was ihm allerdings weder Bekanntheit noch Bedeutung einbrachte.

Trotz allem sollte dieser Song dem geneigten Leser nicht vorenthalten werden:

 

 

 

 

 

 

Es waren einmal zwei „wiede Hund“, die jedes Jahr im Sommer auf einem wunderschönen Berg im tiefsten Lungau – knapp unter der Waldgrenze – ein paar Tage fernab ihrer Arbeitsplätze und Familien verbrachten. Sie genossen diese Tage mit Schwammerlsuchen und –finden, erfreuten sich an dem ausgezeichneten Murauer Bier und der himmlischen innergebirglichen Ruhe. Da diese wieden Hund knapp nach ihrer Geburt Karl und Hari genannt worden waren, erschien es ihnen durchaus angebracht, ihr jährliches Männerwochenende „Unternehmen KalaHari“ zu nennen. Diese männliche Idylle wurde nur durch ein paar kleine Schönheitsfehler getrübt: Jedes Jahr schüttete es wie aus Kübeln, die Temperaturen näherten sich bedrohlich dem Gefrierpunkt und die Kühe zerstörten immer wieder das kunstvoll errichtete Lager, weil sie angeblich nur neugierig sind, diese Mistviecher!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach etlichen, von diesen kleinen Schönheitsfehlern geringfügig gestörten KalaHaris, reichte es den wieden Hund und sie beschlossen, sich eine befestigte Wohneinheit zu errichten, der weder Regen noch Kühe noch Tiefsttemperaturen etwas anhaben konnten. Nach einer relativ kurzen Suche glitten ihre Blicke nach oben und sie stießen ein erfreutes „IKOPLUNZ“ aus. Fünf Bäume standen derart originell gruppiert, dass sogar ein Nüchterner ein Baumhaus darauf vor seinem geistigen Auge sah.

Augenblicklich war der Entschluss gefasst: Die befestigte Wohneinheit sollte sich in 4 Metern Höhe befinden!

Nach einer relativ kurzen Planungszeit, also ca. einem Jahr, begannen die wirklich unglaublichen Bauarbeiten in KalaHari City.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da die Aktion bis ins Kleinste geplant war, schritten die Konstruktion und Befestigung der „Mutti“ – dem massiven Stützgerüst für den gesamten Prunkbau – rasch voran. Die wieden Hund hatten beschlossen, ihr Domizil in einer Höhe zu errichten, die ohne Leiter nicht zu erreichen, jedoch bei einem promillebedingten freien Fall nicht tödlich war. Da es wie gewohnt kräftig schüttete, war diese Höhe – wegen des nassen Holzes – nicht unbedenklich. Um etwas geschützt arbeiten zu können, brachten die wieden Hund eine riesige Plane über ihrem Projekt an – also in ca. 9 Metern Höhe, was durchaus nicht mehr unbedenklich war, wenn einem Leib und Leben lieb ist. Natürlich waren wie jedes Jahr die vermaledeiten Kühe besonders neugierig, also wurde noch dazu ein Kuhzaun errichtet. Trotzdem gingen die Arbeiten zügig voran, obwohl ungewohnt wenig Scherze über die Lippen der beiden sonst so originellen Baumeister kamen. Und als die „Mutti“ endlich in ihrer vollen Pracht zwischen die Bäume geschraubt war, blickten die wieden Hund nicht ohne Stolz ins Göriachtal.

Sogar der kleine Franzl, ihr dünner Sorgenbaum, stand unbewegt neben seinen vier Kumpels, die ehrfürchtig die Mutti trugen, die für alle Ewigkeit stabil in der Waage stehen sollte. Und sie waren sogar in die Dachkonstruktion eingebettet, als wären sie dafür bestimmt. Nichts sollte sie von dieser Symbiose trennen! Die wieden Hund hatten nur eine Sorge, nämlich dass ihr Schwarzbau vom Grundbesitzer nicht gebillgt würde und nicht mehr stehen könnte, wenn sie das nächste Jahr KalaHari City besuchen wollten.

Da der fahrbare Untersatz der wieden Hund ein zwar toller aber doch kleiner Geländewagen war, entpuppte sich der Holztransport von Tamsweg ins Hochgebirge als recht mühsam und zeitintensiv.Und da die Baustelle nicht einmal mit dem Allrad zu erreichen war, wurden die Schultern und die Knie der wieden Hund auf eine gnadenlose Probe gestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weit gefehlt!

 

Das Baumhaus stand noch in alter Pracht, nach wie vor absolut in der Waage und staubtrocken. Das war der eigentliche Startschuss für den Weiterausbau, was die beiden wieden Hund sofort mit einem edlen Tropfen besiegeln mussten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Natürlich wurde sofort weiter gebaut und es ging - wie sollte es anders sein - zügig voran. Das erste Mal seit Jahren spielte sogar das Wetter mit und schon bald war das "Traumhaus" fertig. Sogar einen geräumigen Balkon bot dieses Wunderwerk männlicher Schöpferkraft.

 

 

 

 Zur Einstandsfete gab es Grillkotelett mit Knödel und frisch gefangenen Schwammerln, garniert mit Murauer Bier und Hochprozentigem von Manfred Flach.

Wie man sieht, bot der Balkon ausreichend Platz zum Kochen - mittlerweile erstreckte sich das Traumhaus schon über 7 (sieben) Bäume.  Es war versteckt zwischen Lärchen und Fichten, für ungeschulte Augen unsichtbar! Da ließ es sich leicht ein Mittagsschläfchen abhalten, so geschützt vor fremden Blicken fernab jeglicher Zivilisation.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und dann wurde das Traumhaus entdeckt und es wirbelte eine Menge Staub auf!

 

Manche dachten, es sei die Kultstätte einer geheimnisvollen Sekte (anscheinend hatte man in der Nähe sogar einen Altar entdeckt), andere waren einfach fasziniert von der tollen Konstruktion und der extrem stabilen Bauweise - war doch alles geschraubt. So mancher Göriacher oder Pfåchpichler pilgerte zu diesem geheimnisvollen Bauwerk, von dem niemand wusste, wer es nun wirklich gebaut hatte.

Bleibt zu erwähnen, dass der so genannte "Altar" nichts anderes war als Tina. (Für die unkonzentrierten und unter Alzheimer leidenden Leser: Tina ist das liebevoll errichtete Klo der wieden Hund.)

Dann wurde verlautbart, die Erbauer sollten sich melden, dann gäbe es kein Problem und ihr Schwarzbau würde genehmigt werden. Das Angebot war so verlockend, dass sich die wieden Hund meldeten, in der Hoffnung, legal an ihrem Traumhaus weiterbauen zu können. Aber sie hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Besser gesagt ohne die 46 Wirte, die eine Waldgenossenschaft bildeten und auf deren Grund sie gebaut hatten. Mit einem Besitzer, hatten sie gedacht, würden sie sich schon einig werden. Bei fast 50 Besitzern ist das aber fast unmöglich. Sie boten der Genossenschaft eine ordentliche Pacht an. Umsonst. Sie schenkten der Genossenschaft das Traumhaus. Umsonst. Und wenn es auch den meisten der Genossenschaftsmitglieder egal war, dass das Baumhaus auf ihrem Grund und Boden stand, so war das Ergebnis unzähliger Interventionen doch das:

 

 

 

 

 

 

 

Direkt neben dem Traumhaus plätscherte munter ein kleiner Bach, dessen wichtigste Aufgabe es war, den Flüssigkeitsvorrat zu kühlen. Natürlich spukten in den genialen Gehirnen der wieden Hund auch andere Pläne herum, wie man diese abwärts strömende Energie noch nutzen könnte. Vom Betrieb eines Dynamos (für die Klingel) bis hin zu einem mechanischen Geschirrspüler war alles drin. Doch bis dahin hatte das Rinnsal die eher unscheinbare Funktion eines Brunnens und Kühlaggregats, das natürlich mit einem Schlauch an einen dafür vorgesehenen Platz geleitet wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Natürlich dachten die wieden Hund auch daran, dass diese Unmengen an Schwammerln, Knödel und Koteletts nach erfolgter Verdauung wieder den Weg ins Freie antreten wollten. Also schufen sie einen Ort, an dem dieser Akt ungestört zelebriert werden konnte. Dieser "Ort", eingebettet in die Wurzel einer umgestürzten Lärche, bot jeglichen Luxus - Aschenbecher, Zigarettenhalter, Bierhalter, Klopapierspindel und einiges mehr. Es war kein Donnerbalken mehr sondern eine Donnerkuppel. Und wer den Film "Mad Max 3" gesehen hat, weiß, dass Tina Turner die Herrin der Donnerkuppel ist. Also wurde die Donnerkuppel der wieden Hund kurzerhand Tina genannt. Diese Art der Namensgebung wirkt jetzt für manche Leser dieser unglaublichen Geschichte sicherlich lächerlich - und sie haben Recht. Aber kümmert das die wieden Hund?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das unterstreicht einmal mehr, dass die wieden Hund nicht umsonst in weiten Teilen des Lungaus respektvoll wiede Hund genannt werden. Dies würden sogar die Wespen bestätigen, wären sie nicht der Natur zugeführt worden.

Und wieder einmal konnten sich die wieden Hund glückselig die Hände schütteln, was im Übrigen alle normalen Männer tun, wenn sie mit dem Resultat ihrer Anstrengungen zufrieden sind. Und je kreativer und natürlicher das Mannsbild ist, desto inniger fällt das Schütteln aus.

 

Dass die wieden Hund in der freien Hand keine Bierflasche halten, ist nur dem Mangel an Bierflaschen zuzuschreiben, nicht dem Mangel an gutem Willen.

 

Die Liebe zu ihrem Traumhaus ging sogar so weit, dass sie ein Wespennest, das sich irrtümlicherweise an den so mühsam angeschraubten Wandbrettern angesiedelt und mit Wespen gefüllt hatte, mit ihren bloßen Händen abmontierten und der umliegenden Natur zuführten. Das Foto zeigt deutlich, dass es sich um ein Wespennest der Kategorie XXL handelt, also ca. 20 cm lang war. Vielleicht sollte erwähnt werden, dass diese Aktion zwei- dreimal an einem weniger gefährlichen Objekt geübt wurde, da die beiden zwar eine dicke doch keinesfalls unverwundbare Haut haben, sind sie doch verheiratete, sensible Wesen. Doch trotz allem Respekt vor den gestachelten Gelbbäuchen wurde das Unternehmen wie geplant durchgezogen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Es war einfach traumhaft. Auch dieses Jahr war das Unternehmen mit einer Hitzeperiode gesegnet, bis lang nach Mitternacht konnten die zwei nur mit kurzer Hose und kurzärmeligem Leiberl im Freien sitzen, allerdings in Gesellschaft ihres neuen Freundes, dem Grillofen, der zumindest von einer Seite hervorragend wärmte.

Erfreulicherweise fanden sich auch in diesem Teil des Supergaus viele unvorsichtige Schwammerl, und so konnten die wieden Hund zumindest eine ihrer lieb gewonnenen Traditionen pflegen, nämlich das Verfuttern der heimischen Köstlichkeiten direkt am Busen der Natur. Mit Liebe zubereitet und bis zum letzten Bissen gemeinsam genossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Was nun? Nachdem die beiden wieden Hund ein Jahr Zeit hatten, sich an den Gedanken des Abrisses zu gewöhnen, schritten sie im Sommer 2003 nach einer innigen Verabschiedung von dem Traumhaus und den Bäumen unverdrossen an ihr destruktives Werk.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schnell waren die Wände abgeschraubt. Da das Dach wie alles andere für die Ewigkeit gebaut worden war, ließ es sich (besonders wegen der Dachpappe) nicht ohne Weiteres entfernen.

 

 

 

 

 

 

 

Entgegen jeder Tradition war es heiß und trocken, und so flossen statt des Regens ausnahmsweise mal nur Schweiß und Radler - aber das dafür in rauen Mengen. Und so mühsam das Traumhaus aufgebaut worden war, so schnell war es wieder abgerissen. Seufz...

 

Natürlich mussten die Unmengen von Holz auch weggeschafft werden. Zuerst schleiften sie alles zum Weg. Dort bauten die beiden dann eine Rampe, auf der das Holz gestapelt wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und als das letzte Brett abgeschraubt war, kam auch schon der gute Fredl mit seinem Traktor und brachte ihr Lebenswerk ins Tal.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuerst galt es, die Grenzen der einzelnen Gründe -der "Rechte" -  herauszufinden, doch zum Glück sind die beiden nicht nur talentierte Traumhausbauer sondern auch findige Googler. Und als solche war es ihnen ein Leichtes, ein Satellitenbild mit allen Grenzen der besten Stellen auszudrucken und als Landkarte beim nächsten KalaHari zu verwenden. Der Ortskundige weiß beim Anblick dieser tollen Satellitenaufnahme natürlich sofort, welches Gebiet sich die wieden Hund ausgesucht hatten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als nächstes galt es, vor-Ort-Besichtigungen mit einheimischen Ortskundigen zu arrangieren. Und bald mussten sie feststellen, dass auch die sich nicht einig sind, was die Grenzen und Grundeigentümer angeht. Auch schieden sich bei der Bestimmung der Standorte diverser kleiner Ställe - so genannter Stallei - die Geister, was unter unseren Ortskundigen heftige Wortgefechte auslöste, die sich aber bald in Wohlgefallen auflösten. Ist doch das Murauer Bier nicht nur ein hervorragender Durstlöscher sondern auch ein zuverlässiger Friedensstifter.

 

Es erstaunt vielleicht, dass sich die wieden Hund nach Abschluss dieser unvorstellbaren Aktion zufrieden die Hände schütteln, aber sie freuen sich nur, dass dieses erbärmliche Kapitel abgeschlossen ist, die Bäume unbeschadet in der unberührten Natur stehen und nun nichts mehr auf dieses Wunderwerk kindlichmännlicher Genialität, auf unbeschreibliche Konstruktion sowie unglaubliche Destruktion hinweist.

Außerdem können sie sich voller Elan dem nächsten Traumhaus widmen, das noch schöner und noch größer wird. Denn wenn der geneigte Leser dieser fantastischen Geschichte glaubt, die wieden Hund hätten nun genug vom Traumhausbauen, der irrt sich wie ein Eierschwammerl im Dezember.

Denn schon im darauf folgenden Sommer begaben sie sich auf eine neuerliche Standortsuche. Doch so wie ein gebranntes Kind das Feuer scheut, so scheuten die wieden Hund einen neuerlichen Schwarzbau. Es galt also ein Stück Land zu finden, das für ein Traumhaus wie geschaffen ist, dessen Besitzer nichts gegen einen Prunkbau einzuwenden hat und das den gestrengen Auflagen der Bezirkshauptmannschaft Tamsweg gerecht wird. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit!

 

 

 

 

 

 

 

Natürlich geht solch ein Vorhaben nicht ohne Verhandlungen ab, die an stillen Plätzen geführt wurden. Zur Ablenkung der Göriacher Spitzel wurden ein Strohmann aus dem Nachbartal vorgeschoben und ein paar fingierte Vereinbarungen getroffen. Das Treffen fand auf der Gensgitsch im Wald statt - also an einem öffentlichen Ort - damit es die Spatzen von den Bäumen pfeifen. Während im Hintergrund die wirklich wichtigen Dinge besprochen wurden.

Wie man deutlich sieht, werden im Lungau gewichtige Verträge mit Handschlag und Murauer Bier besiegelt. Eine derartige Gültigkeit könnte nicht einmal ein Göriacher anzweifeln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von allen unbemerkt führten die wieden Hund erste geheime Vermessungen durch, wobei man bemerken muss, dass sie die Sache um einiges professioneller angingen als beim ersten Mal.  Wussten sie doch aus Erfahrung, worauf es bei Planung und Bau eines Traumhauses ankommt.

Mit Hilfe von Infrarot-Messgeräten, einem ausgeklügelten Winkelbestimmungsverfahren und einer ausgesprochen raffinierten audiovisuellen auf Digitaltechnik beruhenden Methode, alle gesammelten Daten  zu speichern, war es ein Leichtes, das Traumhaus Nummer 2 - das natürlich einen anderen Namen bekommen sollte - zu planen. Das Speichermedium war selbstverständlich winzig klein, nahezu im Nanobereich, weil unter den gegeben Umständen eine Razzia mit Leibesvisitation seitens der Göriacher Waldgenossenschaft zu befürchten war, da sich unter den Mitgliedern besagter Genossenschaft angesichts der verwirrenden Taktik der wieden Hund und der zu befürchtenden Bauaktivität auf ihrem Grund und Boden bereits beträchtliche Nervosität breit gemacht hatte.

 

Doch damit nicht genug! Um die Traumhausverächter vollends zu verwirren, begannen die wieden Hund noch eine andere - sehr verlockende - Stelle zu vermessen. Ein geschützter Ort, nicht weit weg von den besten Schwammerlplätzen der Gensgitsch und ganz nah am fließenden Wasser wies eine Baumkonstellation auf, die den beiden zwar nicht ein gebrülltes aber doch immerhin ein IKOPLUNZ entlockte. Und mit ihrer Messroutine war Traumhaus Nummer 3 schnell vermessen und in groben Zügen geplant. Vor dem geistigen Auge stand da schon ein Baumpalast.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Wetter hielt sich natürlich nicht an die Tradition und war einfach traumhaft!!! Die Wetterfrösche im Radio bezeichneten diese Tage sogar als Hitzewelle. Das mussten die beiden natürlich ausnützen! Und noch bevor die "Feinde des IKOPLUNZ" davon Wind bekommen konnten, dass die wieden Hund im Lande sind, verbrachten diese zwei Naturburschen ihre erste Nacht des diesjährigen KalaHaris unter freiem Himmel. Endlich wieder einmal! Welch ein Erlebnis auf ihre alten Tage!

Das muss Trapperblut sein, das ihre Adern durchströmt.

Als sie weiter nach unten – also talwärts streiften, erschraken sie aufs Heftigste! Ein riesiges Stück des Waldes knapp unter dieser historischen Stelle war abgeholzt worden! Die grausamen Maschinen standen sogar noch grinsend inmitten der Baumleichen. Das war eindeutig die Handschrift der Göriacher Waldgenossenschaft! Unter dem Deckmantel der Brenn- oder Bauholzbeschaffung betrieben sie hier  niederträchtige Antibaumhaus Prophylaxe!

Trotz des herben Schocks mussten die beiden doch ein bisschen schmunzeln: Tina (der aufmerksame Leser weiß, wer das ist) stand unberührt auf dem Schlachtfeld des ungerechten Krieges zwischen Baummördern und unschuldigen Pflanzen. Wahrscheinlich deshalb, weil die Ureinwohner immer noch glaubten, es handle sich hier um einen Altar. Und da sicher eben doch sicher ist, ließ man diese unbekannte Anbetungsstätte vorsichtshalber stehen. Man kann ja nie wissen, wer beim letzten Gericht in der Jury sitzt...

Auf ihren Streifzügen durch die Natur auf der Suche nach einem IKOPLUNZ-Erlebnis kamen die beiden plötzlich an eine Stelle, wo sie kurz inne hielten, sich anschauten und dann wie aus einem Munde „IKOPLUNZ!!!“ schrien! Die richtige Stelle war gefunden! Doch bei näherer Betrachtung mussten sie zu ihrem Bedauern feststellen, dass sie sich just auf dem Platze befanden, auf dem ihr Traumhaus gestanden hatte. Die beiden Naturliebhaber hatten so sauber gearbeitet – sowohl beim Bau als auch beim Abriss – dass keinerlei Spuren eines Baumhauses mehr zu entdecken waren. Lediglich die Anordnung der sieben Bäume verriet ihnen, dass sie hier schon einmal ein Wunderwerk errichtet hatten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und im August fand dann das Megaevent des Jahres 2006 statt. Hatten die wieden Hund früher viel Zeit darauf verwendet, unbemerkt auf der Gensgitsch Baumhäuser zu bauen, so war das Ziel ihrer diesjährigen Bemühungen, unbemerkt in den Lungau einzureisen. Und wie sollte es anders sein: Kein Mensch und auch kein von den Göriachern abgestellter KWP (Kalahari WarnPosten) bemerkte die beiden bei ihrer zwar nicht illegalen aber doch gewagten Einreise. Wie ihnen das gelang, bleibt natürlich ein gut gehütetes Geheimnis, immerhin wollen die beiden in den nächsten Jahren auf ähnliche Art ihre Baustellen bzw. Traumhäuser erreichen.

Aber dieses Jahr war das alles wieder vergessen und die beiden konnten die laue Nacht am Lagerfeuer genießen.
Solcherart befriedigt und gestärkt und die Köpfe voller Pläne bereiteten sie sich auf KalaHari 2006 vor.

Immer wenn es das Wetter oder die Temperatur zugelassen hatten, schliefen die beiden im Freien. Ganz selten einmal deshalb, weil die Promille im Blut so schwer waren, dass an ein Aufstehen vom Lagerfeuer nicht mehr zu denken war. Und wie oft hatte der Regen so eine Nacht vereitelt oder mussten die beiden halb erfroren doch demütig ins Zelt oder ins Auto klettern. Einmal war es so kalt, dass die sonst so wieden Hund die heißen Steine vom Lagerfeuer mit ins Auto nahmen, um ein bisschen Wärme abzukriegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Selbst der gute Fredl, der sonst alles erfragt, war überrascht, als die beiden Traumhausbauer bei ihm auftauchten und Bierausschank erflehten. Fredls Interesse an den Plänen der wieden Hund ging sogar so weit, dass er seinen Garagentor-Schweißer einfach allein bei seiner Arbeit ließ und mit den beiden in seine Gaststube ging, um ihren Durst zu löschen. Das Ultimatum des Schweißers verhallte ungehört im Lignitzer Graben.
Allerdings ist es beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, in Fredls Biertempel eine Verschwörung oder ein Bauvorhaben zu planen, da er unheimlich stark frequentiert ist und sich außerdem alles an einem großen Tisch abspielt. Und wenn die wieden Hund mittlerweile zwar eine große Anzahl an Sympathisanten vorweisen können, so wissen sie ja doch nie genau, wer ihnen wohlgesonnen ist.
Also beschränkten sich die beiden auf eine üppige Promillezufuhr in netter Gesellschaft, was ihnen wahrscheinlich die Freundschaft des Greilbauern aus Pürstelmoos eingebracht hatte. Jedenfalls empfand es Adi nach vier oder fünf Flaschen Murauer Bier als eine Ehre, mit den wieden Hund an einem Tisch zu sitzen, was natürlich auf Gegenseitigkeit beruhte. Trotz aller Ehren verließen die wieden Hund Fredls Promillebunker bald, um ihre Pläne in die Tat umzusetzen.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuallererst mussten sie sich des vielen Bieres entledigen, das in ihren Körpern massenhaft gebunkert war. (Das im Kofferraum wollten sie sich noch etwas aufbehalten.) Und da die wieden Hund Gewohnheitstiere sind, haben sie auch immer die gleichen Plätze für Entledigungen dieser Art. Dass dort alles hervorragend gedeiht, versteht sich von selbst, da die beiden nur Flüssigkeiten erster Güte dem fruchtbaren Lungauer Waldboden zuführen.

 

 

 

 

 

 

Natürlich kamen auch die übrigen, ursprünglichen KalaHari-Projekte nicht zu kurz: Die wieden Hund fingen eine Menge Schwammerl, die sich zu weit weg von ihrer Herde gewagt hatten und genossen sie zusammen mit anderen hochwertigen Produkten der heimischen Landwirtschaft, Brauerei- und Destillierkunst. Sie führten am prasselnden Lagerfeuer Männergespräche, die in Inhalt und Ausdruckskraft denen der freien Cowboys in den unendlichen Prärien des Amerikas des vorletzten Jahrhunderts in nichts nachstanden. Vor allem in der Ausdruckskraft, der Inhalt dürfte in beiden Fällen zu fortgeschrittener Stunde vernachlässigbar sein. Und sie schliefen da ein, wo sie eben noch gesessen waren, unter freiem Himmel. Welch ein Leben!

Und mit ein paar Schwammerl im Buckelsack, die ihnen eine rechte Freude bescherten, machten sie sich frohen Mutes auf den Heimweg, hatten sie doch heuer etwas Besonderes vor:

Mittlerweile hatte sich auch ihr zweiter "Entledigungsplatz" hervorragend entwickelt. Es macht sich einfach bezahlt, wenn man seinem Körper nur Lebensmittel erster Güte zuführt, da er diesen zum einen alle lebenswichtigen Substanzen für den überaus harten KalaHari-Einsatz entnimmt und für dieses Unternehmen solcherart gestählt bestens gerüstet ist und zum anderen daraus einen ausgezeichneten Dünger produziert, wie man an der "Piezleng"-Zucht der beiden Naturburschen unschwer erkennen kann.

Und wieder einmal wurden die beiden Abenteurer aufs Schlimmste enttäuscht!

Der Grundeigentümer, der ihnen Bauschutz zugesagt hatte und in den beiden das Traumhausfeuer wieder hatte auflodern lassen, machte einen Rückzieher! Der Boden war ihm zu heiß geworden und er scheute die Konfrontation mit den gar gestrengen Lungauer Behörden wie auch deren saftige Strafen. Und irgendwie hatte er vergessen, die wieden Hund rechtzeitig davon in Kenntnis zu setzen, damit sie sich wenigstens die lange Fahrt erspart hätten. Mit gesenkten Köpfen trotteten die beiden mit ihren Krampen, Schaufeln, Hacken, Sägen und dem Fichtenmoperl wieder heimwärts. Das war ein Tiefschlag!

Um dem geschätzten Leser Wiederholungen zu ersparen, beginnt diese Geschichte im Jahr 2007 an der Stelle, wo die zwei wieden Hund gerade einen herben Tiefschlag weggesteckt haben und daher ihr Männerwochenende einmal weit weg von Grundbesitzern, Behörden und Göriachern auf einer Alm verbringen wollten.

Und da sie recht pfiffige Kerlchen sind, gelang es ihnen auch gleich, eine traumhafte Almhütte mitten im Bergwald auf einer Lichtung irgendwo zwischen Tweng und Kendlbruck für sie zu begeistern. Und zwar derart, dass sie den wieden Hund auch ihren friedlich plätschernden Brunnen als Kühlaggregat und Waschbecken sowie ihren gemauerten Grillofen zur Verfügung stellte. Schnell schlossen die beiden eine innige Freundschaft mit der uralten, gemütlich eingerichteten Hütte und so zeigte sie ihnen auch ihre herrliche Aussicht.

Was für ein Glück, dass die wieden Hund unverwüstliche Frohnaturen sind. Tiefschläge dieser Art verkraften nicht viele so unbeschadet. Aber da man das Leben am besten vorwärts lebt, schlossen die beiden Optimisten das Kapitel Traumhaus genauso bravourös wie das Kapitel Baumhaus und gaben dem Unternehmen KalaHari wieder seine ursprünglichen Inhalte, die am Anfang dieser herrlichen Geschichte bereits ausführlich beschrieben wurden.

Jetzt folgt die für Außenstehende eher uninteressante Geschichte des Unternehmens KalaHari, einem Männerwochenende, das einmal im Jahr stattfindet und an Originalität, Extravaganz, Rhetorik, Ideenreichtum, Genialität und vor allem Gemütlichkeit kaum zu überbieten ist.

Hier endet die traurige Geschichte des Palais Swipublick.

In diesem Jahr war nämlich ein zweites - ein "Sonderkalahari" geplant. Ein reines Arbeitskalahari. Ein Schuftkalahari. Ein Schweißundtränenkalahari. Ausgerüstet mit Krampen, Schaufeln, Hacken, Sägen und sogar einem Fichtenmoperl fuhren sie ein paar Wochen später noch einmal in den wunderschönen Lungau, um wichtige Vorbereitungsarbeiten für DAS Traumhaus durchzuführen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alles, wirklich alles wurde ge- und vermessen, nummeriert und ins Traumhausplanungsbuch eingeschrieben. Es sollte ein Traumhaus der Extraklasse werden.

 Die wieden Hund übernahmen selbstverständlich alle Arbeiten, für die an herkömmlichen Baustellen mehrere Gschtudiachte (Vermesser, Architekt, Statiker, Baumeister, Zimmerer - um nur einige zu nennen) unabkömmlich sind.

Natürlich ist dem Leser und mittlerweile sogar dem Schreiber dieser fantastischen Geschichte schon klar geworden, welch geniale Wesen da einmal im Jahr den Lungauer Bergen die Ehre geben und es wäre direkt enttäuschend, hätten die beiden eine wie auch immer geartete Hilfe in Anspruch genommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Natürlich durfte die Planung des nächsten Traumhauses nicht zu kurz kommen, und das war DAS Gebiet, auf dem den wieden Hund nicht leicht jemand etwas vormacht.